Geschichtliche Infos über die Kanaren
Entstehung der Kanarischen Inseln
Die Kanaren sind erdgeschichtlich noch sehr jung. Nicht mal 20 Millionen Jahre ist es her, da tauchten die Ersten der kanarischen Inseln aus dem Meer auf, Lanzarote und Fuerteventura. Kaum 3 Millionen Jahre gibt es die jüngsten Inseln, La Palma und El Hierro. Auf Teneriffa kann man sehr gut die verschiedensten Phasen des Vulkanismus ablesen.
Besiedlung der Kanaren
Bis heute sind sich Forscher uneinig darüber, wie die Erstbesiedelung der
Kanaren vonstattengegangen war.
Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass zwischen 2000 und 3000 v. Chr.
möglicherweise bereits erste Menschen aus Nordafrika sich auf dem Archipel
niederließen. Andere Theorien besagen, dass spätestens gegen 600 v. Chr.
Phönizier, Berber, Karthager oder römische Flüchtlinge zu den Inseln getrieben
wurden. Die hellhäutigen Ureinwohner nennt man Altkanarier oder auch Guanchen,
was ursprünglich nur die Bezeichnung für die Bewohner Teneriffas war. Guan-
steht für Mensch und -che für die spanische Insel.
Sie lebten wie in der Steinzeit ohne merkliche Fortschritte, in Höhlen oder auch
Hütten aus Gestein. Heute findet man noch Überreste ihrer Gräber und Inschriften
in den Felswänden. Die Guanchen verbrachten ihre Tage friedlich als Bauern,
Hirten oder Fischer. Da die verschiedenen Inseln kaum miteinander kommunizieren
konnten, variierte die Sprache – das Guanche – je nach Insel. Auch entwickelten
sie eine Pfeifsprache, welche heute noch auf La Gomera vertreten ist und selbst
in Grundschulen auf dem Unterrichtsplan steht. Sie gruppierten sich in Stämmen,
die von Königen und Adelsgeschlechtern angeführt wurden. Jede Insel hatte ihre
eigenen Gottheiten, auch wenn sich die verschiedenen Konzepte glichen. So war
beispielsweise Magec, der Sonnengott, die wichtigste Gottheit auf Teneriffa. Die
Guanchen baten ihn um bessere Ernten. Auf El Hierro gab es gleich zwei
Hauptgottheiten – Eroar, welcher das Gute symbolisierte, und Moneiba, die das
Schlechte repräsentierte. Nicht viel konnte man aus dieser Zeitepoche
überliefern, doch weisen noch zahlreiche Ortsnamen auf die Guanchen hin.
Gegen 500 n. Chr. besiedelten neben Phönizier und Neuankömmlingen aus
Nordamerika auch die Römer das entlegene Archipel. Einige der archäologische
Funde belegen dies, auch wenn die genauen Umstände unklar sind. Auf einer Karte
des alexandrinische Geographen Claudius Ptolemäus markierte El Ferro, die am
westlichsten gelegene Insel, den Nullmeridian und somit den Rand der damals
bekannten Welt. Möglicherweise erlangte ebenso der griechische Dichter Homer
Kenntnis von der Inselgruppe, in dessen 'Odyssee' sie als sogenannte 'Elysische
Gefilde' oder 'Inseln der Glückseligen' beschrieben sein könnten. Sonst
veranlasste man nur spärlich Expeditionen zu den Kanaren, im späteren Verlauf
fanden sich einige christliche Missionare und Sklavenjäger auf dem Archipel ein.
Ab Mitte des 14 Jahrhunderts wuchs das Interesse der Europäer an den Inseln
deutlich.
Papst Clemens VI. erließ eine Päpstliche Bulle, in der Absicht die Guachen
gewaltlos zu bekehren und sie als Handelspartner zu gewinnen – was jedoch
misslang. Somit schafften es 1402 schließlich die Spanier als Erste, Lanzarote
zu erobern, 1405 folgten El Hierro und Fuerteventura. Fast ein Jahrhundert
später fielen 1483 Gran Canaria und 1493 La Palma, auch der letzte Rückzugsort
Teneriffa hielt den spanischen Eroberern nicht lange stand. Die rund 50.000 bis
100.000 Guanchen waren mit ihren unterentwickelten Waffen und Wissen in Sachen
Kriegsführung hoffnungslos unterlegen. Und bis heute zählen die Kanaren
geographisch gesehen zwar zu Afrika, politisch jedoch zu Spanien. Um die Zeit
statte auch Christoph Columbus, auf seinen ruhmreichen Fahrten nach Westen, den
Inseln gelegentliche Besuche ab. Die Kanaren wurden zu einem wichtigen
strategischen Punkt, da sie als Zwischenstation für Reisen nach Amerika
unabdingbar waren.
Im 16 Jahrhundert streckte die Inquisition die letzten verbliebenen Guanchen
nieder, die nicht der Sklaverei zum Opfer fielen oder zum Christentum
konvertiert sind. Die neuen Einwohner gründeten Städte und Häfen, sie übernahmen
diverse Bestandteile der guanischen Sprache und Kultur. Die folgenden
Jahrhunderte war von einem häufigen Pendeln zwischen Armut und Wohlstand
geprägt. Sofern die Pflanzen von Krankheiten und Dürren verschont wurden,
florierte der Handel. Waren die Zeiten ungnädig, so rafften Hungersnöte die
Bauern dahin. Zuckerrohr und Wein wurden zu den wichtigen Exportgütern, neben
Mais und Kartoffeln. 1553 fiel der französische Pirat LeClerc in La Palma ein
und brannte die Hauptstadt nieder, bis zum 18 Jahrhundert wurden auch die
anderen sechs Hauptinseln zum Opfer verheerender Raubzüge. Sämtliche
Eroberungsversuche seitens der Engländer schlugen jedoch fehl. Größere
Katastrophen wären die Vulkanausbrüche auf Lanzarota, welche 1730 beinahe ein
Viertel der Insel unter sich begruben, und eine Hungersnot, die vierzig Jahre
später über 1000 Tote forderte. Die spanische Königin Isabella II ernannte die
kanarischen Inseln Mitte des 19 Jahrhunderts zur Freihandelszone, was einen
deutlichen Aufschwung der kanarischen Wirtschaft zur Folge hatte. Ende des 19
Jahrhunderts wurde erstmals mit Tomaten – das Nutzgewächs war noch relativ
unbekannt in Europa – und Bananen gehandelt.
Um 1930 lebten circa eine halbe Millionen Menschen auf den Kanaren, diese Zahl
hat sich inzwischen etwa vervierfacht. Momentan haben die spanischen Inseln mit
illegalen Immigranten aus Nordafrika zu kämpfen. Das erreichte im Jahr 2008
seinen Höhepunkt, als über 14.000 Flüchtlinge ihr Glück versuchen. Diese Zahl
sinkt jedoch stetig, bereits im nächsten Jahr verzeichnete man nur noch die
Hälfte. Die Inseln sind heutzutage ein beliebtes Ziel für Touristen, welche
anreisen können um all die Sehenswürdigkeiten und Andenken zu bestaunen, die die
wechselhafte Geschichte der Kanaren hinterließ und noch hinterlassen wird.